„DAS BLAUE HAUS TUT MEINER SEELE GUT“

Streiflichter eines Sommers in Siebenbürgen

Stehenden Fußes langt Buchhändler Jens Kielhorn mit der linken Hand in ein Regal und überreicht mir die Neuauflage des dritten Bandes von Fabinis Architekturgeschichte der siebenbürgischen Kirchenburgen.

Mein Exemplar war mir abhanden gekommen. Ich blieb noch ein Stündchen im angeschlossenen Erasmus-Café bei einem Latte Macchiato. Hier im Teutsch-Haus von Hermannstadt/Sibiu kann sich der fremde Gast zu Hause fühlen und sein Bild vom Land korrigieren, bekräftigen oder erweitern – je nach Bedarf. Viele Möglichkeiten tun sich in diesem Literaturzentrum auf. Gern kommen auch Eltern mit ihren Kindern hierher; denn neben Archiven und Büchern gibt es ebenso einen familienfreundlichen Spielplatz. Auch das gehört zu Siebenbürgen in Rumänien.

Die „Hermannstädter Zeitung“ meldet freitags die Gottesdienste in der Region. Dazu gehört auch Rothberg/Rosia. Hier lebt der Schriftsteller Eginald Schlattner (*13.9. 1933) , 50. Pfarrer hierorts seit der Reformation – und längst im Ruhestand. Im März 2022 hat er beantragt, auch seine Nebentätigkeit als Gefängnisgeistlicher aufgeben zu dürfen. Die genannte Zeitung vermeldet den Gottesdienst in Rothberg mit einem Zusatz: „dt.(rum.), 12 Uhr“. Schlattner erzählt im Internet und bei persönlichen Begegnungen oft und gern davon. Da nur noch drei evangelische Greise im Dorf leben (von denen Schlattner gerade so mobil ist),bleibt es bis zuletzt spannend: Wer wird den Gottesdienst mitfeiern: eine internationale Busladung Teilnehmender am literarischen Tourismus, „dunkle Geschwister vom Bach“ (E.Sch.) , einzelne Personen von wer weiß woher? Im August 2021 haben sich auf dem Kirchhof zwei Paare aus Lothringen und Hessen, eine rumänische Familie mit Sohn und schließlich meine Frau und ich eingefunden. Wir gehen in die geöffnete Kirche, alle anderen warten auf den Pfarrer wie hier üblich. Gotteshaus und Pfarrhof strahlen übrigens in frischen Farben – der Verkauf der ungenutzten evangelischen Schule machte es möglich. Um 12.15 Uhr betritt Eginald Schlattner mit den Genannten die Kirche.Er bittet, dem Altar nahe Plätze einzunehmen, entdeckt dabei uns beide aus Rostock und freut sich über die Wiederbegegnung. Am Talar trägt der Geistliche das jüngst verliehene “Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“. Verkündigt wird zunächst in rumänischer Sprache. Die einheimische Familie kniet danach an Altar nieder, wird gesegnet und verläßt den Gottesdienst. Die Predigt wird auf Deutsch neu begonnen. Nach dem letzten Amen bittet das hessische Paar um den persönlichen Segen unter Handauflegung und wird gesegnet. Beim Auszug interpretiert Schlattner nebenbei seine Präsentation des Ordens (mit Augenzwinkern): Wenn er diesen nicht jetzt trüge, würde die Auszeichnung ihm erst wieder öffentlich auf einem Samtkissen vorangetragen – bei seiner Beerdigung. Als wir wieder vor die Kirche treten, werden wir allesamt zum Kaffee im Pfarrgarten eingeladen. Liebevoll dekorierte und angeordnete robuste Holztische erwarten uns. Die Gespräche drehen sich um die Herkünfte der deutschen Gäste. Im Hintergrund ist die Regie der orthodoxen Ordensfrau zu spüren, die den Haushalt führt. Die Einladung zum Mittagessen müssen wir aus Termingründen mit Bedauern ablehnen.Alle anderen bleiben gern.

In Alzen/Altina wird ein Musical aufgeführt, das Studierende mit Kindern und Jugendlichen aus den Dörfern der Region inszeniert haben. Wir wollen durch unsere Teilnahme diese Initiative unterstützen. Wie sich in der Festhalle zeigte, wäre das nicht unbedingt nötig gewesen: Die Eltern, Geschwister und Freunde der Jungsänger und -schauspieler aus den umliegenden Dörfern trafen sich allesamt froh und aufgeregt zur Premiere, und wir freuten uns mittendrin über die Präsenz von Jung (vor allem) und Alt aus allen transsilvanischen Völkerschaften bei dieser Uraufführung. Die Event-Halle war materiell und spirituell vom Geist der Aktualität und gegenwärtigen Erneuerung der multikulturellen Gemeinschaft erfüllt, die ansonsten jede Menge Konflikte kennt. Und wir waren dabei – begeistert, dankbar, hoffnungsvoll – und das alles ohne angesagte Sprachkenntnisse. Der Funke Hoffnung war bei Proben und der Aufführung übergesprungen und nun auch auf uns Touristen. Die Leiterin des deutschsprachigen Schulzweiges in Alzen/Altina sprach dem Ensemble den Dank aller Anwesenden aus. Rosi Müller, im Ehrenamt engagierte Kuratorin der Evangelischen Kirtchengemeinde Alzen, nannte in ihrer Dankesrede

die großartige Gesamtleistung nebst der hinreißenden Präsenz einzelner ProtagonistInnen und trug so die Begeisterung weiter. Übrigens auf Deutsch.

Monica (20) hat als Kind in Holzmengen/Hosman gelebt. Inzwischen will sie sich zur Gebärdendolmetscherin ausbilden lassen. In dieser Sprache kommunizieren ihre Eltern und sie miteinander. Ihre Sorge richtet sich derzeit auf eine erfolgreiche Wiederholung einer Abiturprüfung. Aktuell hat sie das Holzstock-Festival, ein Jugendtreffen auf der Kirchenburg, hierher gelockt. Übers Fest hinaus gelten Dank und Freude darüber,wie sie und ihre Eltern hier akzeptiert und freundschaftlich gefördert worden sind. „Das ‚Blaue Haus‘ tut meiner Seele gut,“ sagt sie bei Anblick des Hauses ihrer Gastgeber, die sich seit zwanzig Jahren für die Entwicklung der ländlichen Region im Harbachtal einsetzen und von denen die Initiative zur Gründung der lokalen Kooperative „Longo Mai“ ausging, die international vernetzt ist. Moni, die Ungarin, will bleiben und sich zusammen mit der internationalen Crew für Nachhaltigkeit und Solidarität in Dorf und Region einsetzen.

„Die 19. Brücke“ heißt das Theaterstück, das rumänische und ukrainische Jugendliche im Hermannstädter Kiez-Theater „Bis“ aufführen. 18 Brücken über die Theiß verbanden einst Rumänien und die Ukraine.Organisiert hat die Aufführun der Verein „Molotok“ (Hammer): Es braucht mehr Brücken zueinander. Mit dem Zusammenspiel der Jugendlich haben die Akteure aus der Kooperative Nishnieje Selischtschie (UA) und „Longo mai“ Holzmengen die 19. Verbindung zwischen ihren Ländern geschaffen.

Als Russland die Ukraine mit Krieg überzieht, zeigt sich Bedeutung der 19.Brücke. Die Kooperative mit dem schwer aussprechbaren Namen in Transkarpation wird zum Fluchtziel für Frauen und Kinder aus anderen Teilen der bombadierten Heimat. Die Akteure sind überfordert.Doch es gibt die 19.Brücke! Tudor, Pionier und Aktivist der Geflüchtetenhilfe, berichtet: „Inspiriert wurden wir von unserer Freundin Gabi aus Hosman, die seit Beginn des Krieges ihr Auto mit allem, was sie zu Hause hatte, gefüllt hatte und zur Grenze eilte. Allein fuhr sie ( kindliche Zeugin der Gewalt 1989 in Bukarest J.L.) stundenlang und überquerte die Grenze in ein Land, das sich im Krieg befand. Und sie tat ihr Bestes, um ihren Freunden in der Kooperative Longo Mai zu helfen. Wenn Gabi allein helfen konnte, war ich überzeugt, dass wir es trotz aller Schwierigkeiten schaffen würden. (…) Das Team von Hosman Durabil (Nachhaltiges Holzmengen J.L.) , einer Gemeinschaftorganisation in einem schönen und ruhigen Dorf im Kreis Sibiu, wurde zum Mittelpunkt der Aktion.“ Und bei alledem ist Moni vor Ort geblieben und zugleich weitergegangen über die 19. Brücke.

Dieser Text in als gekürzte Fassung am 1. April 2022 in der Hermannstädter Zeitung Nr. 2764 erschienen.

Magier demobilisiert

Da machte Mose eine eherne Schlange und befestigte sie an einer Stange.

4. Mose 21, 8

Einen Teil meiner frühen Jugend habe ich täglich hoch geblickt zu einer geöffneten Haushaltsschere, die auf einer Etage über einer Wohnungstür angebracht war. Auf meine Nachfrage wurde mir zugeraunt, die offenen Klingen der Schere verhinderten, daß eine Hexe in die Behausung eindringen und Schaden anrichten könne. Mich überkam bei dieser Auskunft kindliche Fassungslosigkeit: Eine Industrieregion im späten 20.Jahrhundert und solche Zauberei! Wie paßte das zusammen? Diese Frage spitzt sich in der ersten Hälfte des 21.Jahrhunderts noch zu. Was damals als Überbleibsel magischen Verhaltens aus dörflicher Zeit belächelt werden mochte, hat eine Wiederbelebung erfahren. Alles ist möglich nach weit verbreiteter Meinung.

Die Ablehnung klassischer Religion und konkreter Konfession ist umgeschlagen in die globalisierte Erfindung religiös angehauchter Privatpraktiken. Da finden sich Steine, Sprüche und Gerüche. Dafür gibt es die entsprechenden Läden und Beratungen, und das Geschäft läuft. Auf die zugespitzte Fragestellung existiert eine alte Antwort: Wir Menschenkinder suchen zu allen Zeiten Sicherheit, Gewißheit und Orientierung angesichts immer neuer Verunsicherungen und Ängste. Naturwissenschaftlich korrekte Antworten auf Zukunfts- und Alltagssorgen allein reichen vielen Menschen nicht aus. Also helfen sie mit einer Mixtur aus mittelalterlichen und asiatischen Weisheiten nach.

Hosman/Holzmengen 2015

Selbst in Epochen religiöser Gewißheit gab es diese Möglichkeit und wurde versucht, bereits gegebene und erprobte Garantien noch zu erhöhen durch Magie. Darüber erzählt eine urtümliche Geschichte aus der letzten Phase der Wüstenwanderung des Volkes Israel. Sie berichtet vom Glauben an den einen einzigen Gott und von magischem Tun in Kampf und Kooperation. Wieder einmal ist die Gemeinschaft der Rückkehrer erschöpft, diesmal kurz vorm Ziel. Das Genörgele macht die Lage nicht besser. Es kommt noch schlimmer durch eine Schlangenplage. Die Gegenstrategie lautet: Die Gefahr anerkennen und fest im Blick behalten! Die Schlangenstandarte veranschaulicht diesen Realismus. Mein Realismus richtet sich Epochen später auf das kahle Kreuz des Auferstandenen, das die Magier demobilisiert. Dabei sind auch die derzeitigen Wüsten im Blick. Es existieren seelische Wüsten aus der Erfahrung von Überforderung und Unterschätzung, Isolation und Vermassung. Durch die Wüste Sahara sind Migranten jahrelang unterwegs. Auf der Suche nach einer besseren Zukunft brechen monatlich 15.000 Menschen aller Generationen von der westafrikanischen Stadt Agadez in Richtung Europa auf. Die Gebeine derer, die es nicht schaffen, bleichen am Wegesrand im Wüstensand. Ich möchte nörgeln, aber tatsächlich geht es um Kampf fürs Leben. Mit dem Blick auf das Kreuz in meiner Wohnung muß ich mich damit auseinandersetzen, ob ich will oder nicht. Denn „Holz auf Jesu Schulter ( … ) ward zum Baum des Lebens“. Wir verstehen uns und die Welt besser durch die Ausrichtung darauf.

Jens Langer

25.3.2012, Sonntag Judica, MPKiZ

17.09.1958

Ferienerlebnis

Der Angestellte erklärte mir, die Arbeit wäre wirklich nicht schwer. „Wo ist der Schaber? Sie sollen sehen, wie es gemacht wird.“ Als er das Gesuchte nicht gleich fand, nahm er ein Lineal und schwang es von oben nach unten. Ermunternd schaute er mich an. Wirklich, gerade die richtige Beschäftigung für mich! Er legte das Lineal beiseite, um mich in die Liste als „Entroster“ einzutragen. Ich war Werftarbeiter geworden.

Von meinem Arbeitskameraden Hufnagl wollte ich erzählen. Freilich, nicht nur. Zu ihm gehören auch andere. Seine Kollegen etwa kämen ohne ihn schlecht aus. Er ist nämlich das Ziel ihres Spotts. Auf einen allerdings durfte auch er herabblicken – auf Christoph. Dem jedoch taten Spott und Neckereien nichts an. Kamen sie von Hufnagl, waren sie ohnehin nicht gefährlich.

Er fiel mir bald auf. Er, der Ältere, war es, der für die anderen fortwährend bereit zu sein hatte. Vor Jahren – erfuhr ich später – hatte ihm ein Bauernhof gehört. Ohne sein Verschulden hatte er ihn verloren. Jetzt war er einer von denen, die jeder Bürger einer Werftstadt etwas fürchtet. Und doch sind sie es, die den großen Schiffen den ersten Glanz geben – lange bevor Maler und Innenarchitekten kommen.

Wahrhaftig, Hufnagel sah nicht vertrauenerweckend aus. Klein von Statur, trägt er wie alle eine schmierige, von der Arbeit rotbraune Kombination, auf dem Kopf sitzt eine zerlumpte Mütze, die Füße stecken in Holzschuhen, aus denen die Fußlappen herausschauen. Sein Gesicht ist über und über mit Rost bedeckt, durch den Schweiß sind hellere Streifen hineingezeichnet. Wie soll einer auch gepflegt erscheinen, nach acht Stunden in halbmeterhohen Kammern, in denen Handlampen nur unsicheres Licht geben und die Luft voll staubfeinen Rostes ist?

Später arbeitete ich allein mit Hufnagl zusammen. Er war alt, für das Akkordsystem viel zu alt. Die Jüngeren hüteten sich, mit ihm in eine Gruppe zu kommen. Längst hatte er sich damit abgefunden. Nur hin und wieder kam der Zorn durch auf den Kriecher unter den Arbeitern, der die hohe Norm befürwortet hatte, auf die Kollegen, die keine Kameradschaft kannten. „Äh, das sind ja bald keine Menschen mehr, die Zigeuner, die … Wir können auch noch arbeiten.“ Es konnte auch geschehen, dass er plötzlich innehielt, nur um zu sagen: „Ja, so ist das.“ Oder war dies der Abschluss einer Gedankenreihe? Sich zu sorgen, gab es für ihn genug Anlass. Fünf unversorgte Kinder, und die Hypothek für seine neue Dreizimmerwohnung musste abgezahlt werden. Selbst für den Sonntag versuchte er, Arbeit zu bekommen.

Oft stellte er mir – wie die anderen auch – die Frage nach meinem zukünftigen Studium. Anfangs wich ich den Antworten aus. Schaffe nicht von vornherein Gegensätze! Ja, später habe ich es dann gleichfalls unterlassen.

Es gab mancherlei Situationen, von denen man förmlich gefordert wurde. Wenn sie Christoph, dem Katholiken, über mitspielten …

In solchen Tagen denkt man an Don Camillo. Man ist leider keiner; wie sie immerhin auch keine Peppones sind. Aber das ist eine schlechte Ausflucht.

Nach dem Abitur hat man die vielleicht längsten Ferien seines Lebens. Nichts weiter sollte geschehen sein? Lediglich ein paar dürftige Worte mit einem Alten? Mir schien es mehr. Denn kürzlich kam Hufnagl zu mir. Über dies und das sprachen wir. Als er längst gegangen war, wusste ich plötzlich den Grund seines Besuchs. Die Arbeitsstelle, von der wir gesprochen hatten! Aber selbst mein Bekannter konnte mir keine leichtere mit 380 Mark Lohn nennen

In solchen Augenblicken denkt man an Don Camillo. Man ist leider keiner, wie Hufnagl immerhin auch kein Peppone ist. Aber das ist eine schlechte Ausflucht.

Jens Langer

Frische Erinnerungen an einen Sohn des Dorfes

:: zur erinnerung an georg hoprich

Wenige Augenblicke vor der Enthüllung der Gedenktafel für Georg Hoprich erinnere ich an einige Schritte, die uns zu dieser Stunde geführt haben:
Im April und Mai 2010 berichtete die ADZ von einem Literaturkreistreffen in Hermannstadt/Sibiu, das Georg Hoprich gewidmet war. Dadurch erwachte in der Öffentlichkeit Interesse, diesen Dichter kennenzulernen. Stefan Sienerths Bukarester Werkauswahl von 1983 und gegen Ende 2011 auch Bertram Reineckes Leipziger Edition boten den poetischen Stoff, informierten und orientierten. Von nun an führten mich meine Wege von Holzmengen/Hosman, dem Lebensmittelpunkt unserer Familie bei Aufenthalten in Siebenbürgen, immer wieder nach Thalheim/Daia und jüngst endlich auch nach Kastenholz/Casolt. Als sich 2011 die internationalen Vertreter von 14 Orten namens T(h)alheim hier trafen, wurden sie bereits „mit Blasmusik, rumänischer Folklore und Georg-Hoprich-Gedichten“ empfangen (ADZ 8.6.2011) ! In diesen Zusammenhängen entstand die Idee eines öffentlichen Gedenkens an den“bleichen Sohn“ von Thalheim.
Das Gedenken heute nun macht den Reichtum der Kulturen an diesem Ort an einer Person und Stelle deutlich. Die Einwohner aller ethnischen Gemeinschaften dürfen sich freuen, daß ihrem Dorf aus gutem Grunde frische Aufmerksamkeit geschenkt wird. Georg Hoprich war einer von ihnen, und das wird dem lokalen Schatz der Erinnerungen heute erneut und aktuell bestätigt. Schlicht und nachhaltig wird jetzt deutlich: Diejenigen sind von Kultur und Geschichte überholt worden, die Menschen wie den Dichter dem Vergessen ausliefern wollten. Das ist ihnen nicht gelungen. Dessen sind wir alle heute Zeugen. Die Gedächtniskultur mag jahrzehntelang ideologisch versteppt gewesen sein, heute sehen wir ein zartes Pflänzchen aktiver Erinnerung. Bis es so weit kommen konnte, hat sich Dr.Joachim Wittstock mit allen verbündet, die sich für die Verwirklichung der Idee einsetzen wollten DANKE!
Vielleicht stehen wir heute am Anfang einer wachsenden frischen Erinnerung. Könnten an diesem Platz nicht z.B. Collagen aus Werk und Leben des Dichters aufgeführt werden? Solches Volkstheater mit dem ganzen Dorf und für dasselbe mit seinen auswärtigen Gästen hat es im Harbachtal schon mehrfach in jüngster Zeit gegeben.
Heute steht die Geschichte eines Lebens und Werkes vital vor uns.

„es ist war“
„este a fost“,

wie Frieder Schuller einmal über siebenbürgische Geschichte formuliert hat.

In wenigen Stunden aber werden fast alle diesen Ort bewegt und erfüllt mit Erinnerungen wieder verlassen haben, um nach Hause zu fahren. Die Beschließerin jedoch von Kirche und Friedhof wird bleiben. Frau Mariana Dan vom Gehöft Nr. 201 führt auch zu Grab und Dichtung Georg Hoprichs, der auf dem Gehöft Nr. 205 aufgewachsen ist. Sie überreicht dem fremden Gast ein Blatt mit Strophen und Daten zu diesem poetischen Ereignis, das sie von einem engagierten Künstler aus Süddeutschland erhalten hat. Manchmal hat sie für Interessierte auch die neue Gedichtausgabe zur Hand. Selber in Sprachen Siebenbürgens zu Hause, gibt sie eine allererste Einführung in Hoprichs Dichtung, die, hier verwurzelt, über einen europäischen Rang verfügt.

Wir können uns glücklich schätzen, daß so viele und vieles freundlich zueinander gefunden haben.
Mit diesem dankbaren Gefühl grüße ich Sie alle von der Ostseeküste in Mecklenburg-Vorpommern: Bleiben Sie behütet und unterwegs, beides!

Jens Langer, Rostock/BRD.

Grußwort zur Gedenkfeier für Georg Hoprich am 5.10. 2013 in Thalheim/Daia (Rumänien/Sb)